Briefe aus Deutschland · 1942–1944

5. Mai 1943 — Lohnerhöhung auf 35 Mark

Transkription

10/I 1943 год. Добрый день, мои родные. Сегодня уже целая неделя, как от Вас нет писем, не понимаю что это значить. Я жива и здорова, в тепле и сыта. Теперь исключительно работаю в доме. Шью, латаю и помогаю варить. Самочувствие прекрасное. Раз М. тоже не чувствует себя прекрасно.

5/5-43. я получила 35 марок за две недели и если Вам сейчас трудновато так и эти деньги вышлю Вам, я ни в чем не нуждаюсь. Очень беспокоюсь за Вас мои дорогие, как вы там, пишите все поправде. Вчера получила письмо от Тамары К. им неважно [неразборчиво] в смысле себя…

Kontext

Dieser Brief enthüllt eine bedeutende Verbesserung von Raisas Arbeitsbedingungen und Lohn bis Mai 1943:

Lohnerhöhung: Ihr Lohn verdoppelte sich von 17 Mark/Monat (September 1942) auf 35 Mark pro zwei Wochen — verdient jetzt etwa 70 Mark/Monat. Diese erhebliche Erhöhung deutet darauf hin, dass entweder ihre Fähigkeiten hochgeschätzt wurden oder allgemeine Lohnanpassungen für Ostarbeiter stattfanden.

Arbeitsveränderungen: Sie arbeitet jetzt „ausschließlich im Haus" bei häuslichen Aufgaben — Nähen, Flicken und beim Kochen helfen. Das ist ein großer Wandel von der früheren Außenfarmarbeit (Kleemähen, Rübenjäten, Ernte). Die Hausarbeit könnte jahreszeitliche Änderungen oder ihre bewährten Fähigkeiten widerspiegeln.

Finanzielle Großzügigkeit: Obwohl Zwangsarbeiterin, bietet sie an, Geld nach Hause zu schicken: „Wenn es euch schwerfällt, schicke ich auch dieses Geld — ich brauche nichts." Diese bemerkenswerte Großzügigkeit zeigt sowohl ihre privilegierte Position auf der Farm als auch ihre tiefe Liebe zur Familie.

Familiensorgen: Sie spürt, dass ihre Familie Härten verbirgt: „Schreibt alles wahrheitsgemäß" („пишите все поправде"). Nach einer Woche ohne Briefe ist sie besorgt. Ihr Wunsch nach Ehrlichkeit deutet darauf hin, dass sie weiß, dass sich die Bedingungen in der besetzten Ukraine verschlechtern.

Gesundheitsnotizen: Raya M. (ihre Mitostarbeiterin) „fühlt sich nicht wunderbar", während Raisa sich „прекрасное" (wunderbar/ausgezeichnet) fühlt. Der Kontrast deutet auf unterschiedliche Bedingungen unter den Arbeitern hin.

Netzwerk: Brief von Tamara K. zeigt, dass sie Kontakt zu Freunden aufrechterhält, obwohl deren Situation „nicht gut" ist.

Historischer Kontext: Mai 1943 war nach Stalingrad (Februar 1943), aber vor Kursk (Juli 1943) — das Momentum des Krieges verlagerte sich, was möglicherweise die Arbeitspolitik und Löhne beeinflusste, um die Produktivität aufrechtzuerhalten.

Dieser Brief zeigt Raisa in ihrer wohlhabendsten Zeit während der Gefangenschaft — gut bezahlte Hausarbeit, gute Gesundheit und in der Lage, ihrer kämpfenden Familie in der besetzten Ukraine finanzielle Hilfe anzubieten.

Quelle: SCAN0063